Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena um 1910

Standort

Malakoff




Datenblatt


Höhe: 21 m

Kosten: 43.000 Mark

Grundsteinlegung: 20.06.1906

Einweihung: 05.07.1909

Foto Bismarckturm Jena September 2025

Vorbild Gotenköniggrabmal in Ravenna
Der Bismarckturm in Jena


Vorbemerkungen

Der Bismarckturm in Jena auf dem Malakoff (329 m über NN) ist einer der elf individuell entworfenen Türme des Architekten Wilhelm Kreis, der nicht nach seinem 47 Mal ausgeführten Bismarckturm-Standardentwurf „Götterdämmerung“ errichtet worden ist.


Bauplanung

1898-1902

Die vier thüringischen Herzogtümer

- Sachsen-Weimar-Eisenach

- Sachsen-Meiningen

- Sachsen-Coburg und Gotha

- Sachsen-Altenburg

planten bereits in den Jahren 1898/1899 den Bau eines gemeinsamen Denkmals für Otto von Bismarck mit u.a. Weimar (Ettersberg) und Jena als mögliche Standorte. Bereits im Januar 1899 wurde ein "Comitee für Errichtung eines Bismarck-Denkmales auf dem Ettersberg" gebildet. Mit dem Standort Ettersberg in Weimar waren die anderen thüringischen Herzogtürmer für die gemeinsame Ehrung nicht einverstanden.


Nun plante jedes Herzogtum die Errichtung eines eigenen Bismarckdenkmals, sodass das ursprünglich gemeinsame Denkmal-Projekt im März 1899 ad acta gelegt wurde.


Im Januar 1899 schlug der Jenaer "Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs" den Bau eines Bismarckturmes vor.

Anfang Februar 1899 beabsichtigte die Jenenser Studentenschaft, als Bismarck-Ehrung eine Bismarcksäule in Jena zu errichten. Es wurde ein Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule auf einem Berg bei Jena unter Vorsitz von Oberbürgermeister Heinrich Singer gebildet. Teilnehmer dieses Ausschusses waren Mitglieder der Akademie, Vertreter der Studentenschaft sowie Bürger von Jena. Der Erbgroßherzog übernahm den Ehrenvorsitz.

Zwischen dem 13. und 26. Juli 1899 ließ die Studentenschaft das patriotische Werk des Schriftstellers Ernst von Wildenbruchs (*1845-†1909), „Die Quitzows“, zugunsten der geplanten Bismarcksäule sieben Mal im Theatersaal Jena aufführen. An einer dieser Veranstaltungen nahmen der Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach (*1818-†1901), Freund Otto von Bismarcks, auch Förderer des Bismarckturms Weimar sowie der Erbgroßherzog Wilhelm Ernst teil.

Ende 1899 betrug der Spendenstand rund 6.000 Mark.

Im April 1902 bedauerte der "Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs", dass der Ausschuss zur Errichtung einer Bismarcksäule wenig aktiv sei.


1903-1904

Die Sammlungen für die geplante Bismarcksäule kamen nur langsam voran, bis Mitte März 1903 konnten 8.000 Mark für das Bauwerk gesammelt werden. Die Kosten schätzte man auf 18.000 Mark.

Am 06.06.1904 erbrachte das zum Besten der Bismarcksäule durchgeführte „Paradiesfest“ weitere 5.900 Mark. Mitte September 1904 lag die Spendensumme bei knapp 14.400 Mark.

Das Bauprojekt wurde nun als gesichert bezeichnet, die Standortfrage musste aber noch entschieden werden. Der Ausschuss beschloss im November 1904, dass der Turm entweder auf dem Malakoff oder auf dem Windknollen errichtet werden sollte.

Da die Gesamtkosten für das Bauwerk nun auf 20.000 Mark taxiert wurden, planten die Studenten weitere Feste zum Besten der Bismarcksäule.


1905

Am 10.02.1905 einigte sich der Ausschuss in einer Sitzung fast einstimmig auf den Malakoff als Turmstandort, einen Teil des Tatzend. Der Ausschuss stellte darauf einen diesbezüglichen Antrag im Gemeinderat.

Bei einer Sitzung am 02.03.1905 konnte sich der Gemeinderat nicht auf den Malakoff einigen und beantragte zur Entscheidungsfindung eine Besichtigung vor Ort. Diese "Lokalbesichtigung" fand am 13.03.1905 statt, doch auch danach ging die Platzfrage bei einer Abstimmung (6:6 Stimmen) unentschieden aus. Die Kritiker befürchteten einerseits Abholzungen des Waldes, andererseits durch Flugfeuer der befeuerbaren Bismarcksäule Schäden am Forstbestand. Das Angebot von Prof. Wilhelm Kreis, über die Platzfrage sein Gutachten vorzutragen, war zuvor vom Gemeinderat abgelehnt worden.


Nach Streitgesprächen einzelner Befürworter und Gegner des Standortes Malakoff wurde in der Sitzung ein neuer, leicht abgeänderter Antrag mit folgenden Punkten gestellt:

  1. Der Platz für die Bismarcksäule soll auf dem Malakoff zur Verfügung gestellt werden
  2. Das Material für den Turm soll aus den städtischen Steinbrüchen genommen werden
  3. Für die "möglichste Schonung des Waldbestandes" soll Sorge getragen werden


Der Antrag wurde mit 12:11 Stimmen angenommen. Allerdings waren nur 22 (!) Mitglieder des Gemeinderats bei der Abstimmung anwesend.


Für den Bauplatz legte man eine Fläche von 180 Quadratruten (ca. 1.600 m²) fest.

Man beauftragte den Architekten Wilhelm Kreis mit einem neuen Entwurf für den geplanten Bismarckturm, der sich von seinem Standardentwurf stark unterscheiden sollte. Prof. Kreis gab an, das Bauwerk direkt "an die äußerste Kante des Malakoff" bauen zu lassen, damit es von allen Seiten einen "wirkungsvollen Eindruck" macht. Die Fertigstellung des Turmes war für den 31.07.1906 avisiert.


1906

Am 07.04.1906 wurden die Erd- und Maurerarbeiten für den Bismarckturm vom Ausschuss und Stadtbaudirektor Oskar Bandtlow öffentlich ausgeschrieben (Annahmeschluss 23.04.1906, 12.00 Uhr).


Am 09.07.1906 um 14:30 Uhr fand im "Paradies zu Jena" das "Akademische Vogelschießen" (Volksbelustigungs- und Schützenfest) statt. Der Reinertrag (mehrere Tausend Mark) wurde dem Fonds zur Erbauung eines Bismarckturmes zur Verfügung gestellt.


1907-1909

Die Vertreter der Krieger- und Militärvereine des Amtsgerichtsbezirks Jena beschlossen am 12.01.1908, einen Beitrag zur Erbauung des Bismarckturmes in Form eines der neun steinernen Adler (Kosten: 400 Mark) zu stiften.

Daraufhin fragte der Ausschuss bei allen Jenaer Militärvereinen und studentischen Korporationen an, ob diese ebenfalls einen steinernen Adler stiften wollten. Alle Stifter sollten auf einer Tafel im Innern des Bismarckturms aufgeführt werden. Mehrere Jenaer Vereine erklärten sich bereit, einen Adler zu stiften.

Der Hausbesitzerverein Jena spendete im Februar 1909 ebenfalls 400 Mark.
Weitere Spender waren:

Jenaer Burschenschaften, Jenaer Korpsstudenten, die "V.C."-Turnerschaften, die Rosen-, Schützen- und Fuchsturmgesellschaft, der nationalliberale Reichsbürgerverein, die Fleischerinnung, die Bank für Thüringen, Rittergutsbesitzer Urban und Fleischermeister Helmrich.


Bauarbeiten

Mit der Ausführung der Arbeiten wurde Stadtbaudirektor Oskar Bandtlow aus Jena beauftragt. Am 10.05.1906 erfolgte die Baufeldabsteckung. Die Bauausführung erfolgte durch Maurermeister Rösel.

Als Baumaterial verwendete man überwiegend heimischen harten Muschelkalkstein.


1906-1908

Nach der Grundsteinlegung am 20.06.1906 schritt der Turmbau nur langsam voran, im November 1906 war das Bauwerk bis zur Höhe des unteren Umganges gebaut worden, Anfang April 1907 war das Bauwerk auf etwa 8 m Höhe angewachsen. Im Dezember 1908 war der Turm fertig gestellt.

Der Einweihungstermin wurde wegen der Verzögerungen mehrfach verschoben, ursprünglich sollte die Einweihung am 31.07.1906 stattfinden.


1909

Im Frühjahr 1909 wurden die Anlagen um den Turm hergerichtet.
 

Turmbeschreibung

Wilhelm Kreis entwarf einen 21 m hohen Rundturm (Kosten: 43.000 Mark), der sich in vielen Einzelheiten stark am Grabmal des Gotenkönigs Theoderich in Ravenna orientierte. Einen ähnlichen, noch voluminöseren Bismarckturm plante Wilhelm Kreis wenige Jahre später für Stettin (heute Polen).

Der Aussichtsturm mit Feuerschale besitzt einen 4 m hohen Unterbau mit 18 umlaufenden eckigen Säulen, der den eigentlichen Rundturm einfasst. Der Abstand der Säulen zum Turmkörper beträgt jeweils 1,50 m.

Das obere Geschoss ist mit einer Kuppel aus Strebepfeilern gekrönt.

Der Durchmesser des Unterbaus beträgt 14 m, der eigentliche Turmschaft hat einen Durchmesser von 10,90 m.

Durch eine metallene Eingangstür im Südwesten gelangt man in den Turm. Über eine Steintreppe im Innern des Turmes erreicht man die Galerie in 4 m Höhe und den Pfeilerumgang in 15 m Höhe.

Der Turmkörper selbst weist innen in Höhe des Säulenumgangs jeweils zwischen den Säulen neun eckige Einbuchtungen auf. Oberhalb der ersten Galerie befinden sich schießschartenähnliche Fenster (ausgenommen im Eingangsbereich sowie rechts und links davon).

Im oberen Bereich des Turmes befinden sich neun Fenster, darüberliegend im Bereich der oberen Galerie sind neun halbrunde Austritte zu finden. Zwischen den Austritten wird die Galerie von - wiederum neun - Mauerbögen umspannt.

Auf den neun Mauerbögen der oberen Aussichtsplattform thronen neun, 1,50 m hohe, steinerne Adler, die von Bildhauer Otto Späthe gefertigt wurden. Die Deckenpfeiler stützen sich auf das Gesims mit umlaufendem Zangenfries.

Auf dem Turmkopf wurde ein gemauerter Aufbau mit einer Feuerpfanne installiert. Die Befeuerung erfolgte durch Teer und Holz.

Hinweise auf Bismarck wurden am Turm nicht angebracht.
 

Turmgeschichte

1909

Die feierliche Einweihung in Anwesenheit der "Spitzen der städtischen und staatlichen Behörden", Reserveoffizieren und Mitglieder studentischer Vertretungen fand am 05.07.1909 ab 17:00 Uhr statt und wurde im Rahmen eines Marktfestes ab 20:30 Uhr fortgeführt.


Bei der Einweihungsfeier (mit musikalischer Umrahmung) wurde der Bismarckturm von Stadtbaudirektor Bandtlow an den Vertreter der Studentenschaft, stud. math. Hübschmann, übergeben. Dieser reichte den Schlüssel an den Vorsitzenden des Komitees (Oberbürgermeister Dr. Singer) und somit in "die Obhut der Stadt" weiter. Dr. Singer hielt anschließend die Weiherede und appellierte dabei an die "Liebe zum Vaterland".

Anschließend folgte die Besichtigung des Turmes. Alle Festteilnehmer begaben sich um 19:00 Uhr geschlossen zum festlich geschmückten Marktplatz für das Marktfest. Auch hier hielten Dr. Singer, Student Hübschmann, Kirchenrat Dr. Wendt u.a. Reden. Das Marktfest endete um 23:30 Uhr mit dem Aufbruch der Teilnehmer unter Führung des Stadtmusikkorps.


Für die regelmäßigen Öffnungen des Bismarckturmes wurde ein Turmwärter eingestellt.


1910-1914

Alljährlich wurden anlässlich des Geburtstages von Otto vom Bismarck um den 01.04. Feuer auf dem Turm entflammt.

Am 24.06.1911 wurde in den Abendstunden ein Johannisfeuer auf dem Turm entzündet. Die Kosten dafür trug die Stadt Jena.


Jenaer Studenten führten am 14. Juli 1912 Freilichtaufführungen ("Wallensteins Lager") auf dem späteren Erholungsplatz vor dem Bismarckturm auf. Die Freilichtbühne bot 1.200 Sitzplätze.

Am 01.09.1912 veranstaltete der 1911 gegründete Jungdeutschland-Bund [Anm.: Dachorganisation zur Wehrerziehung der deutschen Jugend] für die Jenaer Jugend eine Sedanfeier am Bismarckturm mit Militärmusik, Aufführungen und Ansprachen. Nach Abschluss der Feier wurde ein Fackelzug zur Stadt und zum Kasernenplatz durchgeführt.


Anlässlich des 100. Jahrestages der Völkerschlacht von Leipzig wurden an acht Orten in Leipzig, u.a. Napoleonstein und Galgenberg, in den Abendstunden des 18.10.1913 mehrere Freudenfeuer entzündet, auch auf dem Bismarckturm.


Der Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. wurde am 27.01.1914 statt des sonst üblichen Kommerses erstmals im Rahmen eines Fackelzuges (einhundert Jenaer Studenten der freideutschen akademischen Jugend) zum Bismarckturm gefeiert. Die Umgebung des Turmes war zu diesem Zweck mit einem Scheinwerfer ausgeleuchtet worden. Professor Ketzler hielt am Turm die Festrede. Auf der Feuerschale wurde ein Feuer entzündet.


Im Mai 1914 wurde die seit Herbst 1913 geplante neue Kinder-Walderholungsstätte (Erholungsheim für Jenaer Kinder) am Bismarckturm fertiggestellt.

Am 27.01.1914 richteten Studenten der Freien Jenaer Studentenschaft eine Kaiserfeier am Bismarckturm anlässlich des Geburtstages von Kaiser Wilhelm II. aus. Bei dieser Feier galt striktes Alkoholverbot, da die Freie Jenaer Studentenschaft "in der Trinksitte eine große nationale Gefahr" sah. Um 20:00 Uhr zogen die Studenten vom Teichgraben mit Fackeln zum Turm.

Am 08.07.1914 fand zu Ehren des Universitäts-Professors Justus Wilhelm Hedemann (*1878-†1963) in den Abendstunden ein Fackelzug der Studenten zum Bismarckturm statt, welcher mit einem Scheinwerfer beleuchtet wurde.


Nachgewiesene Befeuerungen von 1910-1914

01.04.1910; 01.04.1911; 24.06.1911; 02.04.1912; 01.04.1913 (Turm wurde ab 1912 anlässlich des Geburtstages von Bismarck zusätzlich mit Scheinwerfern vom Zeitzwerk beleuchtet); 18.10.1913 (Freudenfeuer Jahrhundertfeier Völkerschlacht, hier zusätzlich bengalische Beleuchtung); 27.01.1914


1915-1930

Der 100. Geburtstages von Otto von Bismarck am 01.04.1915 wurde in Kriegszeiten in Jena nur in schlichter Form gefeiert, der Bismarckturm wurde befeuert und mit einem Scheinwerfer beleuchtet.

In der Zeit des Ersten Weltkrieges bis Juni 1920 blieb der Bismarckturm für Besucher verschlossen.


Bis zum Jahr 1918 waren noch nicht alle Kosten des Bismarckturm-Baus abgegolten.

Die Sparkasse Jena spendete im Juni 1918 vom Reingewinn des Jahres 1917 insgesamt 5.000 Mark "als Beisteuerung der Deckung eines Teiles der Mehrkosten des Bismarckturmes". Aus dem "Fonds zur Förderung allgemeiner studentischer Aufgaben" (auch "Idealfonds" genannt) der Universität Jena wurden dem Fonds für den Bismarckturm 500 Mark gespendet.

Die Kinder-Walderholungsstätte am Bismarckturm wurde auch zu Kriegszeiten weiter genutzt, es wurden eine Schutzhütte und ein massives Wirtschaftsgebäude mit Nebenanlage errichtet. Zusätzlich wurde im Jahr 1919 für die über 400 Kinder, die dort jeweils vierwöchige Kuren verbringen konnten, eine "Liegehalle" errichtet.


Der Bismarckturm wurde im Juni 1920 nach fünfjähriger Unterbrechung für Besucher geöffnet. Der Schlüssel wurde in der Walderholungsstätte aufbewahrt und konnte für 50 Pfennig pro Person entliehen werden. Das Eintrittsgeld wurde für die Erholungsstätte verwendet.


Zur 50jährigen Reichsgründung fand am 18.01.1921 nach Anbruch der Dunkelheit trotz Regen ein Fackelzug der studentischen Korporationen vom Bismarckturm zum Hanfrieddenkmal in Jena statt.  Anlässlich des I. Thüringer Spiel- und Sportfestes des XIII. Turnkreises der Deutschen Turnerschaft am 07. und 08.08.1921 in Jena fanden einige Wettkämpfe am Bismarckturm statt.


Ab Mai 1925 wurde der Bismarckturm in den Sommermonaten täglich von morgens bis abends gegen Zahlung einer Spende (Erwachsene: 10 Pfennig, Kinder: 5 Pfennig) geöffnet.


Im August 1925 wurde der Bismarckturm im Auftrag des Gas- und Wasserwerkes in einem Raum unterhalb der Aussichtsgalerie mit einem Wasserbehälter versehen, um die in der Nähe befindlichen Kinderheime, Kindererholungsstätten und Bewohner des Forsthauses mit Wasser zu versorgen.

Am 31.03.1926 um 20:00 Uhr veranstalteten die "Vereinigten Militärvereine Jenas" eine Bismarckfeier am Bismarckturm.

Im Oktober 1926 konnte der Schlüssel des Turmes beim Hochbaum-Hohmeyer-Heim entliehen werden. Die Aussicht vom Turm war aufgrund von Bäumen und Sträuchern eingeschränkt.

Im März 1927 wurde die schadhaften Wege zum Bismarckturm ausgebessert. Ab 1928 galt am Turm ein Trinkverbot, die "durstigen Wanderer" sollten sich am benachbarten Schullandheim Stern mit Wasser versorgen.

In den Jahren 1928 und 1929 war der Bismarckturm wieder täglich geöffnet und konnte gegen ein "kleines Entgelt" bestiegen werden. Ein Zeitz-Fernrohr auf dem Turm stand allen Besuchern zur Verfügung.

Am 24.06.1928 und am 24.06.1929 wurden vom Turnverein Jena auf dem Erholungsplatz, zwischen Bismarckturm und Forsthaus, Sonnenwendfeiern durchgeführt.


1931-1938

Im Sommer 1930 wurden zu den zwei vorhandenen Ruhebänken am Turm auf Anfrage des Turmwärters vier weitere Ruhebänke aufgestellt.

Anlässlich der "Rheinlandbefreiung" [Anm.: Abzug der französischen Truppen aus den linksrheinischen Gebieten] wurde am 30.06.1930 um 21:00 Uhr ein Feuer auf dem Turm entzündet. Eine weitere Befeuerung (Bismarcks Geburtstag) erfolgte am 01.04.1931.


Auf Anregung des Turmwärters wurde im Jahr 1931 unterhalb des Wasserbehälters ein Zapfhahn (mit separatem Wasserzähler) eingebaut, damit der Turmwärter Wasser für Besucher zapfen kann. Das seit 1928 bestehende Trinkverbot galt ab jetzt nur noch für alkoholhaltige Getränke.


Im Jahr 1933 wurde der Bismarckturm drei Mal befeuert:

  1. 21.03.1933 (Tag der Deutschen Nation, mit Fackelzug zum Bismarckturm)
  2. 31.03.1933 (Vorabend von Bismarcks' Geburtstag)
  3. 19.04.1933 (Geburtstag des Reichskanzlers A.H.)


Im Frühjahr 1933 stellte das Stadtbauamt Jena fest, dass die Leitern im Turm und die Feuerschale sanierungsbedürftig waren. Am Turmkranz fehlten zudem einige Steine. Turmwärter Purfürst forderte im Jahr 1934, dass die Fugen erneuert werden müssen. Im September 1934 fanden entsprechende Ausbesserungsarbeiten statt, sodass der Turm in dieser Zeit für Besucher gesperrt werden musste.


Anlässlich der Saarfeier am 01.03.1935 [Anm.: Rückgliederung des Saargebietes in das Deutsche Reich nach einer Volksabstimmung] wurde der Bismarckturm befeuert. Der "Stahlhelm" richtete in den Abendstunden 01.04.1935 eine Bismarckfeier am Bismarckturm aus, bei der das Bauwerk beflammt wurde. Anschließend wurde ein Fackelzug zum Markt durchgeführt, auf dem Studienrat Paul Hübschmann eine Ansprache hielt.


Am 20. und 21.06.1936 wurde das "Deutsche Jugendfest" in Jena gefeiert., welches am 20.06.1936 mit einer Sonnenwendfeier am Bismarckturm verbunden wurde. Um 22:00 Uhr wurde das Sonnenwendfeuer am Bismarckturm entzündet.


Nachgewiesene Befeuerungen von 1915-1938

01.04.1915; 01.04.1918, 30.06.1930, 01.04.1931, 21.03.1933, 31.03.1933, 19.04.1933; 24.06.1934, 01.03.1935, 01.04.1935


1939-1952

Im Jahr 1942 stellten die Stadtwerke Roststellen und Verschmutzungen am Wasserbehälter fest.

Am 01.04.1942 wurde der Bismarckturm von der Flak-Einheit L 04814 übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte das Stadtbauamt im Jahre 1949 mehrere Schäden am Turm fest, eine Sanierung konnte wegen fehlender Geldmittel nicht durchgeführt werden. Daraufhin wurde eine Tafel angebracht, die auf die eigene Verantwortung beim Betreten des Turmes hinwies.


1953-1999

1953 wurde das Bauwerk in „Turm der Jugend“ umbenannt. In den 1960er Jahren wurde der Turm für Besucher verschlossen.

Nach der Wende 1989 wurde er wieder Bismarckturm benannt. Eine erste offizielle Öffnung erfolgte im November 1990. Die untere Brüstung war zu dieser Zeit schadhaft und nicht begehbar.

In den 1990er Jahren und Anfang 2000 wurden kleinere Sanierungsmaßnahmen am Turm durchgeführt.

Der Wasserbehälter wurde 1994 aus dem Turm entfernt.


2000 bis heute

Im Jahre 2000 oder 2001 wurden in alle Aussparungen an den Seiten und an der Aussichtsgalerie Fenster eingesetzt.

Der Turm war über viele Jahre bis zum Frühjahr 2007 ganzjährig verschlossen. Seit Mai 2007 wird das Bauwerk einmal im Monat durch den Verein "Berggesellschaft Forsthaus e.V." geöffnet. Der im Juli 2006 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Bismarckturm zu sanieren.

Im Dezember 2007 führte die Stadt Jena einige Arbeiten an der Entwässerung des Turmes durch.

Im Jahr 2008 wurden bei den Öffnungen der Berggesellschaft über 3.000 Besucher gezählt.

Am 13.06.2009 fand die 100-Jahr-Feier am Bismarckturm statt.

Im Oktober 2024 befand sich das von einem Bauzaun abgesperrte Bauwerk in einem sanierungsbedürftigen Zustand.

Ende August 2025 wurde vom Stadtentwicklungsdezernenten im Jenaer Stadtrat mitgeteilt, dass der Bismarckturm aufgrund seines schlechten baulichen Zustands vorrangig grundhaft saniert werden soll.


Ab Sommer 2026 wird der Bismarckturm Jena umfassend unter Leitung der Stadt Jena saniert. Im ersten von drei Bauabschnitten (bis November 2026) werden Kuppel und Feuerschale saniert. Die weiteren Bauabschnitte sind für 2027 geplant.


Öffnungstermine (Stand: Juli 2026)

Der Bismarckturm ist im Jahr 2026 wegen anstehender Sanierungsarbeiten geschlossen (siehe Link Berggesellschaft Forsthaus).


Links

Google Maps (Standort: Am Tatzend)

Koordinaten und Kartenmaterial

Berggesellschaft Forsthaus (mit eigener Seite zum Bismarckturm, virtuellem Rundgang und aktuellen Öffnungsterminen)


Quellen

- Seele, Sieglinde: "Lexikon der Bismarck-Denkmäler", Imhof-Verlag Petersberg, 2005, S. 211
- Seele, Sieglinde, Mannheim (Archiv Seele): BISMARCK-SÄULE von Jena (Thüringen)
- von Bismarck, Valentin: Bismarck-Feuersäulen u. Türme (unveröffentlichtes Manuskript); Nr. 159 "
Bismarck-Feuersäule bei Jena", 1900-1915, 1937 (im Archiv der Burschenschaft Alemannia, Bonn)
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes; 2. Jahrgang 1904 (Nr. 6, S. 3; Nr. 11, S. 10); 3. Jahrgang 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 5, S. 6; Nr. 8, S. 9); 4. Jahrgang 1906 (Nr. 4, S. 58; Nr. 7/8, S. 112) 5 Jahrgang 1907 (Nr. 2, S. 32); 7. Jahrgang 1909 (Nr. 9/10, S. 159)

- Stadtarchiv Stendal: Akten BG-324, BG 170-22, Index-Nr. 37

- Schreiben Stadtarchiv Jena vom 29.10.1991

- Akademische Blätter: 14. Jg. (Nr. 18 vom 16.12.1899, S. 271), 19. Jg. (Nr. 8 vom 16.07.1904, S. 137); 24. Jg. (Nr. 9 vom 01.08.1910, S. 143)

- Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung: 05.01.1899; 10.01.1899; 15.01.1899; 17.01.1899; 18.01.1899; 24.01.1899; 03.02.1899; 16.02.1899; 28.02.1899; 08.03.1899; 22.06.1899; 15.03.1903; 24.09.1904; 30.09.1904; 13.11.1904; 14.02.1905

- Jenaer Volksblatt: 25.06.1899; 21.07.1899; 04.04.1902; 12.02.1905; 16.03.1905; 21.03.1905; 25.03.1905; 07.04.1905; 27.05.1905; 10.04.1906; 07.06.1906; 21.06.1906; 03.04.1907; 15.01.1908; 05.03.1908; 17.03.1908; 09.09.1908; 11.02.1909; 16.02.1909; 04.04.1909; 28.05.1909; 02.07.1909; 03.07.1909; 04.07.1909; 07.07.1909; 09.07.1909; 25.06.1911; 27.06.1911; 01.07.1911; 03.04.1912; 20.06.1912; 23.06.1912; 09.07.1912; 21.07.1912; 29.08.1912; 01.09.1912; 04.09.1912; 03.04.1913; 27.09.1913; 16.10.1913; 21.10.1913; 21.01.1914; 29.01.1914; 20.05.1914; 10.07.1914; 31.03.1915; 02.04.1915; 31.03.1918; 03.04.1918; 23.06.1918; 30.06.1918; 07.06.1919; 21.05.1920; 21.06.1920; 25.06.1920; 02.07.1920; 19.01.1921; 20.05.1921; 04.06.1921; 06.06.1921; 16.05.1925; 22.08.1925; 15.03.1926; 30.03.1926; 03.07.1926; 20.10.1926; 28.03.1927; 07.05.1927; 11.08.1927; 14.02.1928; 23.06.1928; 04.07.1929; 22.06.1929; 09.09.1929; 13.09.1929; 04.03.1930; 28.06.1930; 30.06.1930; 01.07.1930; 15.08.1930; 01.04.1931; 13.06.1931; 18.12.1931; 09.04.1932; 16.04.1932; 22.03.1933; 01.04.1933; 19.04.1933; 20.04.1933; 27.07.1933; 11.10.1933; 25.06.1934; 07.07.1934; 13.09.1934; 02.03.1935; 30.03.1935; 02.04.1935; 03.04.1935; 19.11.1935; 19.06.1936; 23.06.1936; 03.07.1937; 15.10.1938

- Bürgeler Zeitung: 04.02.1899

- Deutsche Zeitung: 25.06.1899

- Camburger Wochenblatt: 13.07.1899; 22.07.1899; 30.12.1899

- Hallesche Zeitung: 15.03.1903; 07.07.1909

- Jenaer Hochschulzeitung: 26.01.1914

- Ostthüringische Nachrichten: 19.09.1990; 25.09.1990; 02.10.1990; 22.08.2007

- Thüringische Landeszeitung: 02.11.1990;20.08.2004; 14.08.2007

- Das Stadtmagazin [Jena]: "Bismarcks steinerne Spuren", Ausgabe Juli-August 2009, S. 14-17
 

Fotografen

- Dr. Wolfgang Seele, Mannheim (1990)

- Bernd Keinert (April 2002)

- Jörg Bielefeld, Leverkusen (September 2004, Mai 2009)

- Hans-Dieter Hirschmann, Haßloch (Juli 2007, September 2023)

- Silvia Weiß, Werdau (Oktober 2024)

- Ulrich Karliczek, Jena (Oktober 2024)

- Richy Oelke, Kelkheim (September 2025)


Übersichtskarte Standort Bismarckturm

Der genaue Standort ist über die Links zu Google Maps / Google Earth (s.o.) zu finden.

Bildergalerie Bismarckturm Jena

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena undatiert

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena undatiert

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena 1928

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena undatiert

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena 1925

Ansichtskartenmotiv Freilichtaufführung "Wallenstein" am Bismarckturm Jena 1912

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena undatiert

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena 1911

Ansichtskartenmotiv Zeichnung Bismarckturm Jena 1906

Ansichtskartenmotiv Bismarckturm Jena 1909

Foto Bismarckturm Jena 1990

Foto Bismarckturm Jena um 1930

Foto Bismarckturm Jena 1929

Foto Bismarckturm Jena April 2002

Foto Bismarckturm Jena September 2004

Foto Innenraum Bismarckturm Jena September 2004

Foto Bismarckturm Jena Juli 2007

Foto Bismarckturm Jena Mai 2009

Foto Adler auf dem Bismarckturm Jena Mai 2009

Foto Plattform Bismarckturm Jena Mai 2009

Foto Turmkopf Bismarckturm Jena September 2004

Foto Innentreppe Bismarckturm Jena Mai 2009

Foto Innenraum Bismarckturm Jena Mai 2009

Foto Detail Bismarckturm Jena Mai 2009

Foto Bismarckturm Jena Juli 2007

Foto Turmkopf Bismarckturm Jena Juli 2007

Foto Tür im Bismarckturm Jena September 2023

Foto Bismarckturm Jena September 2023

Foto Adler auf dem Bismarckturm Jena September 2023

Foto Bismarckturm Jena Oktober 2024

Foto Innenraum Bismarckturm Jena Oktober 2024

Foto Innendecke Bismarckturm Jena Oktober 2024

Foto Umgang Bismarckturm Jena Oktober 2024

Foto Umgang Bismarckturm Jena Oktober 2024

Foto Innenraum Bismarckturm Jena Oktober 2024

Drohnenfoto Bismarckturm Jena Oktober 2024

Ansichtskartenmotive: Bismarckturm-Archiv Jörg Bielefeld, Leverkusen

Fotografien: Jörg Bielefeld, Leverkusen, ansonsten siehe jeweiliges Foto (Erlaubnis des Fotografen)