Bismarckturm-Planung Hamburg
Ein nicht realisiertes Bismarckturm-Projekt
Auf dem heutigen Gebiet von Hamburg wurde ein Aussichtsturm in einen Bismarckturm umbenannt. Ein geplanter Bismarckturm wurde im folgenden Ortsteil von Hamburg nie realisiert:
- Hamburg-Poppenbüttel
Nähere Angaben zum Bismarckturm-Projekt in Hamburg
Bismarck-Gedenk-Turm in Poppenbüttel
1. Planung Bismarckturm Hamburg-Poppenbüttel
Am 25.10.1903 kam in der Ausschuss-Sitzung des Alstervereins in Poppenbüttel der Gedanke auf, auf einem hohen Punkt des Alstertals einen Bismarckturm zu errichten. In der nächsten Ausschuss-Sitzung am 15.11.1903 wurde beschlossen, die Planung weiter zu verfolgen.
Folgende sieben Standorte wurden vorgeschlagen:
- Erdwall auf der Mellenburg
- Sagers Koppel (gegenüber der Mellenburg)
- oberhalb der Böschung von "Timm's Berg" bei der Poppelsdorfer Schleuse
- bei den Hünengräbern (Kakenhahn)
- auf dem Hügel zwischen Treudelberger Hof und Alster
- auf dem Grundstück von Jungclaus hinter der Krämerei von Schleu
- auf dem "Langenstück", am Treffpunkt des Saseler und Wellingsbütteler Weges
Zur Konkretisierung der Planungen wurde das Komitee zur Errichtung eines Bismarck-Gedenk-Turmes im Alstertal gegründet.
Die Bauausführung, der Turmcharakter (Aussichtsturm mit Befeuerungsmöglichkeit auf der Plattform), die Kosten und die Werbemaßnahmen wurden in der ersten Sitzung des Komitees am 14.12.1903 beraten. Über die Frage des Standortes konnte man sich zunächst nicht einigen.
In der 2. Sitzung des Komitees am 18.01.1904 wurde Sanitätsrat Dr. Otto zum 1. Vorsitzenden und Kunstmaler Arthur Illies zum 2. Vorsitzenden des Komitees gewählt. Der Standort des geplanten Turmes wurde vom Komitee nun auf Vorschlag Nr. 7 festgelegt. Conrad Illies, Bruder des 2. Vorsitzenden, überreichte dem Komitee fünf Turmskizzen [Anm.: Skizzen sind nicht mehr erhalten].
In der 3. Sitzung des Komitees am 08.02.1904 wurde dem Komitee eröffnet, dass die Gemeinde einen Teil des Baugrundstückes für den geplanten Bismarckturm und Anlagen in der Umgebung dem Komitee kostenfrei überlässt. Hofbesitzer Eduard Henneberg erklärte sich bereit, ein angrenzendes Flurstück ebenfalls ohne Kosten für das Komitee zur Verfügung zu stellen.
In der 4. Komitee-Sitzung am 19.02.1904 wurde die Standortfrage erneut diskutiert, da einige Mitglieder die Mellenburg als Standort bevorzugten. In der 4. Sitzung wurden auch die Beschaffung von Spenden beraten.
In Poppenbüttel und den umliegenden Gemeinden wurde für das Projekt gespendet, u.a. in Bernstedt, Volksdorf und Hummelsbüttel.
Viele, überwiegend wohlhabende (männliche) Bürger sowie bekannte Firmen wie Blohm & Voss aus der Umgebung unterstützten dieses Projekt mit Spenden. Bis zum 01. Juli 1904 war der Baufonds bereits auf 4.121,73 Mark angewachsen. Geplant war ein ca. 20 m hoher Aussichtsturm aus Granit, auf dem eine Feuervorrichtung für jährliche Bismarck-Feuer angebracht werden sollte. Die Gesamtkosten wurden auf 30.000 Mark geschätzt, die Grundsteinlegung war bereits für den 01.04.1905 vorgesehen.
Im Herbst 1905 wurden weitere Spenden gesammelt, doch die Anzahl der Spenden ging sukzessiv zurück.
Erst am 26.09.1909 wurde in der Sitzung des Alstervereins beschlossen, dass die Planung des Turmes vom Bismarckturm-Komitee wieder in die Hände des Alstervereins verlagert werden sollte. Erste Kontaktaufnahmen mit dem Komitee scheiterten, im November 1910 kam es zum Konflikt zwischen dem Komitee-Vorsitzenden Dr. Otto und dem Alsterverein. Schließlich wurde dem Komitee das Vertrauen ausgesprochen, das Bismarckturm-Projekt weiterzuführen.
Anfang 1911 lag die Gesamtsumme des Baufonds "nach Abzug der erheblichen Unkosten" und trotz Zinsen der Geldanlage erst bei gut 4.000 Mark. Baumaterial war dem Komitee von Bismarck-Verehrern geschenkt worden.
Da die Spendenbereitschaft versiegte, beschloss das Komitee, bis zum Bismarck-Jahr 1915 (100. Geburtstag von Otto von Bismarck) zu warten, um einen erneuten Aufruf zu starten.
Da es bis Herbst 1912 keine Anzeichen des Komitees zwecks weiterer Planung gab, wurde in der Mitgliederversammlung des Alstervereins der eingebrachte Antrag einstimmig angenommen, dass der Alsterverein die weitere Planung ab sofort in die eigene Hand übernehmen soll.
Am 11.12.1912 fand eine gemeinsame Sitzung des Bismarckturm-Komitees und des Vorstandes des Alstervereins statt. Nun wurde beschlossen, dass der Alsterverein die Planung des Bismarckturmes übernimmt und diese gemeinsam mit den Komitee-Mitgliedern fördern wird.
Anfang 1913 lag der Baufonds bei 4.307,44 Mark.
Die am 11.03.1912 gegründete Alstertal-Terrain-Actien-Gesellschaft (ATAG) erwarb viele Gutsflächen der Grundbesitzer in Poppenbüttel, Wellingsbüttel und Sasel, um diese zu Baugrundstücken aufzusiedeln. Die ATAG hatte auch den Bauplatz des geplanten Bismarck-Gedenk-Turmes aufgekauft. Der Alsterverein beschloss in der Vorstandssitzung vom 29.01.1913, dass der für den Turm geplante Bauplatz (Parzelle 3) dem Alsterverein von der ATAG auf Verlangen jederzeit übereignet werden müsse. Die ATAG erklärte, dass eine Entscheidung erst getroffen werden könne, wenn sich die ATAG mit der Gemeinde Poppenbüttel über einen Bebauungsplan geeinigt hat. Formell erklärte man, den Wünschen des Alstervereins entgegenzukommen. Die ATAG verzögerte die Entscheidung allerdings immer weiter, eine Übertragung fand letztendlich nie statt.
In der Vorstandsitzung des Alstervereins am 02.12.1913 wurde beschlossen, mit dem Bau-Vorarbeiten zu beginnen.
Im Februar 1914 gab die ATAG bekannt, dass die Auflassung des Grundstückes für den geplanten Turm erst erfolgen sollte, wenn der Alsterverein "die Gewähr gibt, dass der Turm tatsächlich gebaut wird". Weitere Anfragen bezüglich der Auflassung des Grundstückes wurden von der ATAG bis Juli 1914 nicht beantwortet.
Im August 1914 sah der Vorstand des Alstervereins aufgrund der nicht gelösten Grundstücksfrage von der Errichtung des Bismarckturmes ab. Der Vorstand plante, bei den Geldgebern anzufragen, ob diese die Beträge für andere Zwecke des Alstervereins überlassen würden.
Am 24.10.1915 lag der Spendenstand für den Bismarckturm auf dem Konto der Spar- und Darlehenskasse bei 5.040,70 Mark.
Am 27.04.1918 wurde die komplette Spendensumme (mit Zinsen 5.341,88 Mark), wahrscheinlich ohne Abstimmung in der Mitgliederversammlung, vom Sparkonto abgehoben und als 8. Kriegsanleihe gezeichnet.
Auf der Vorstandssitzung des Alstervereins vom 28.10.1918 wurde über den Verkauf des von E. Henneberg geschenkten Turm-Grundstücks (3.000 m²) beraten. Die ATAG hatte 3 Mark pro m² geboten. Die 9.000 Mark sollten am 01.01.1919 an den Alsterverein gezahlt werden, wenn dieser auf die Rechte des Grundstücks komplett verzichten würde. Der Vorstand des Alstervereins nahm das Angebot der ATAG an.
Kurz darauf erfolgte ein zweites Angebot der ATAG, es wurden nur noch 1.000 Mark für das Grundstück geboten. Das neue Angebot wurde vom Vorstand als "vollständig ungenügend" angesehen und abgelehnt. Ein Vorstandsmitglied regte an, den Bismarckturm in Eisen mit einer Wohnung für einen Kriegsteilnehmer zu errichten, der als Turmaufseher fungieren soll.
Im Jahr 1919 kam es zum Rechtsstreit mit der ATAG bezüglich der Grundstücksfrage (Feststellungklage der ATAG vom 13.06.1919).
Die Planung des Bismarckturmes wurde auf der Vorstandssitzung des Alstervereins am 03.01.1920 endgültig beendet.
Quellen
- Zeitschrift des Bismarck-Bundes, Jg. 1904 (Nr. 2, S. 3; Nr. 6, S. 3, Nr. 9, S. 2), Jg. 1905 (Nr. 2, S. 5; Nr. 11, S. 11); Jg. 1911 (Nr. 1, S. 10; Nr. 11; S. 202), Jg. 1913 (Nr. 2, S. 25)
- Hamburger Anzeiger vom 01.11.1912; 05.12.1913
- Hamburger Nachrichten vom 18.05.1904; 19.06.1904 (Aufruf); 14.12.1912
- Hamburgischer Correspondent vom 12.02.1913
- Neue Hamburger Zeitung vom 19.12.1903; 20.06.1904 (Aufruf), 21.06.1904; 02.07.1904 (Aufruf)
- Hoffmann, Rainer: "Der Alstertaler Bismarckturm in Poppenbüttel" in Jahrbuch des Alstervereins 2026, 99. Jg., Hrsg. vom Alsterverein e.V. Hamburg, S. 31-55
Kleine Bildauswahl des geplanten Bismarckturmes in Hamburg

Aufruf für die Erbauung eines Bismarck-Gedenk-Turmes im Alstertal in der Neuen Hamburger Zeitung vom 02.07.1904
